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Wer verschwendet unsere Lebensmittel wirklich?

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Aus Privathaushalten sollen 61 % aller Lebensmittelabfälle kommen. Das sagt das Bundesernährungsministerium und gibt Reste-Rezepte sowie Tipps zur Abfallvermeidung heraus. So weit, so gut. Doch leider sind die Zahlen laut Foodwatch falsch und die Verbraucher werden völlig zu Unrecht als Hauptschuldige in Sachen Lebensmittelverschwendung dargestellt.

Falsche Zahlen stellen Verbraucher als Hauptschuldige dar

Die Bundesregierung hat eine eigene Studie herausgebracht, in der es um die Verschwendung von Lebensmitteln geht. Dort heißt es, dass jeder Bundesbürger jährlich 82 Kilogramm Lebensmittel in den Müll wirft.

Umgerechnet würde das bedeuten, dass wir Verbraucherinnen und Verbraucher mit 61 % aller Lebensmittelabfälle die größten Sünder auf diesem Gebiet sind. Mit der Aktion „Zu gut für die Tonne“ werden wir deshalb dazu aufgerufen, bewusster mit Lebensmitteln umzugehen.

Martin Rücker, Geschäftsführer von foodwatch Deutschland sagt dazu: „Ich habe selten eine so falsche und perfide Kampagne erlebt wie diese. Am Ende verhindert das Ministerium sogar effektive Maßnahmen gegen Lebensmittelabfälle, statt sie zu fördern!“ Natürlich sei es eine nicht hinnehmbare Verschwendung, wenn in Deutschland tonnenweise hochwertige Lebensmittel auf dem Müll landen. Dagegen müsse man etwas tun und jeder ist dazu aufgerufen. Doch die Verbraucher des Landes als Hauptschuldige hinzustellen, das gäbe die Studie nicht her. Im Gegenteil hat sich die Bundesregierung und das zuständige Ministerium die Zahlen entsprechend zurechtgebogen bzw. schlicht und einfach falsch.

Keine verlässlichen Zahlen von Industrie und Handel

Denn über ein Drittel der „Lebensmittel“, die die Verbraucher angeblich wegwerfen, sind in Wahrheit sogenannte „unvermeidbare Abfälle“ wie Suppenknochen oder Bananenschalen. Weitere 18 % der Abfälle sind nur „teilweise vermeidbar“. Uns Verbrauchern damit ein schlechtes Gewissen zu machen, sei „arglistig“. Rücker dazu: „Und vor lauter Selbstanklage sollen wir wohl gar nicht mehr genau hinsehen – geschweige denn von der Politik die wirklich nötigen Schritte einfordern.“

Es ist ja auch viel bequemer, auf die Bürger mit dem Finger zu zeigen, als die wahren Verursacher der Lebensmittelverschwendung auszumachen. Foodwatch fordert neue Regeln für Handeln und Industrie, statt den Verbrauchern einseitig die Schuld in die Schuhe zu schieben. „Denn während es genaue Untersuchungen über die Abfallmengen in Privathaushalten gibt, fehlen verlässliche Zahlen darüber, wie viele Lebensmittel Industrie und Handel wegwerfen.“ Wie Martin Rücker darauf kommt? Ganz einfach: Das Bundesernährungsministerium fragt die Unternehmen und deren Lobbyverbände, wie viele Lebensmittel sie wegwerfen, anstatt diese zu überprüfen. Dass dabei nur niedrige Abfallzahlen herauskommen, ist wohl klar.

ALLE Beteiligten müssen handeln

Von Seiten der Regierung heißt es, dass die Verbraucher die meisten Lebensmittel verschwenden würden und es deshalb keinen Sinn mache, gesetzlich dagegen vorzugehen. Rücker ist empört und sagt: „Das ist nicht nur Tatsachenverdrehung – vor allem löst es nicht das Problem!“ So wandern massenweise gute Lebensmittel wie Äpfel, Paprika oder Tomaten in den Müll, weil sie der EU-Norm nicht in Form oder Größe entsprechen. Foodwatch fragt: „Warum macht [Bundesernährungsminister] Herr Schmidt hierzu nicht mal einen Vorstoß?“ Bemängelt wird auch, dass es von Seiten der deutschen Politik keinerlei Vorgaben zur Müllreduzierung in Unternehmen oder ein Verbot für Lebensmittelverschwendung im Handel existieren – wie es in anderen EU-Staaten schon lange gehandhabt wird.

Unbestreitbar ist, dass auch in Privathaushalten unnötige Lebensmittelabfälle anfallen und dass hier Aufklärung und Handeln wichtig sind. „Aber Landwirtschaft, Industrie und Handel müssen eben auch Verschwendung vermeiden!“ Also: Lassen Sie sich kein schlechtes Gewissen einreden und sorgen Sie gleichzeitig dafür, dass weniger gute Lebensmittel auf dem Müll landen. Wie Sie Reste besser verwerten können, haben wir u.a. im Beitrag Preiswert kochen in Bio-Qualität beschrieben.

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