Die Wechseljahre sind eine natürliche Phase im Leben einer Frau, die mit vielseitigen Herausforderungen einhergeht – sowohl emotional als auch physisch. Während es aufgrund hormoneller Veränderungen auf mentaler Ebene unter anderem zu Stimmungsschwankungen, Konzentrationsschwierigkeiten und depressiven Verstimmungen kommen kann, gehören Hitzewallungen und Gewichtszunahme zu den klassischen Symptomen auf körperlicher Ebene.
Für ein ganzheitliches Wohlbefinden in dieser sehr individuellen Umstellungsphase ist es entscheidend, den Fokus auf die hormonelle Balance zu setzen. Diesbezüglich spielt nicht nur die Interaktion zwischen den Hormonen Progesteron und Östrogen, sondern auch die Besiedlung der Darmflora eine tragende Rolle.
In diesem Beitrag erfahren Sie, wie Sie die Signale Ihres Körpers in dieser spannenden Zeit der hormonellen Umstellung besser verstehen und interpretieren können. Zusätzlich präsentieren wir Ihnen wertvolle Tipps für einen gesunden und achtsamen Lebensstil, mit denen Sie Ihr Wohlbefinden in Zeiten des Wandels gezielt unterstützen können – auf Ebene des Darms, des Hormonstoffwechsels und Ihrer Psyche.
Warum der Darm in den Wechseljahren eine Schlüsselrolle spielt
Die sogenannte Darm-Hormon-Achse stellt eine direkte Verbindung zwischen Darmflora, Östrogenstoffwechsel und weiteren hormonellen Umstellungsprozessen Ihres Körpers dar. Dieses Zusammenspiel aus Darmmikrobiom – der speziellen, einzigartigen Besiedlung Ihres Darms – und Ihrem Hormonstoffwechsel beeinflusst Ihr mentales und physisches Wohlbefinden während der Wechseljahre auf faszinierende und vielseitige Weise.
Mit dem Wissen über die hormonellen Interaktionen auf Darmebene wird es Ihnen leichter fallen, die charakteristischen Symptome Ihres Körpers in der Umstellungsphase besser nachvollziehen zu können – achtsam und sensibilisiert für Ihre Körperwahrnehmung.
Welche wichtige Rolle das Körperbewusstsein für das Wohlbefinden während der Wechseljahre spielt, erklärt auch Dr. Katharina Tropschuh im Experten-Interview mit der bio-apo:
„Viele Patientinnen fühlen sich durch Beobachtung des eigenen Zyklus auch in ihrer Selbstwirksamkeit bestärkt, können ihren Körper genauer kennenlernen, entwickeln mehr Bewusstsein für den eigenen Körper und können diesen besser verstehen. […] Dadurch haben Patientinnen häufig auch eine bessere Kontrolle ihrer Beschwerden, da mehr Wissen und Verständnis darüber besteht, wie Symptome und deren Dynamik zu interpretieren sind.“
Wechseljahresbeschwerden verstehen – und ihre Verbindung zur Darmgesundheit
Zu den typischen Symptomen der hormonellen Veränderungen gehören Hitzewallungen bzw. Schweißausbrüche, Stimmungsschwankungen, Schlafprobleme und eine unkontrollierte Gewichtszunahme. Darüber hinaus können auch Herzrasen und Schwindel, hormonell bedingte Scheidentrockenheit, Inkontinenz und dünner werdendes Haar auftreten.
Dass ein ungünstiger Lebensstil bzw. eine ballaststoffarme Ernährung diese klassischen Wechseljahressymptome verstärken kann, erläutert Priv.-Doz. Dr. Maximilian Franz im Experten-Interview mit der bio-apo:
„Ein gesunder Lebensstil kann die Beschwerden in den Wechseljahren deutlich abmildern – dabei spielt die Ernährung eine zentrale Rolle. […] Vor allem ballaststoffreiche Kost, ausreichend Eiweiß und der Verzicht auf stark verarbeitete Lebensmittel können das Wohlbefinden verbessern.“
Auf Ebene des Darms, dem Hauptsitz des Immunsystems, spielt aus ernährungsphysiologischer Sicht insbesondere der Mix aus ballaststoffreichem Essen, Probiotika und Präbiotika („Futter für die probiotischen Kulturen”) eine wichtige Rolle. Während Empfehlungen zur täglichen Ballaststoffmenge vorliegen – mindestens 30 Gramm pro Tag in Anlehnung an die Empfehlungen der DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) –, sind aktuell keine Daten für ideale Aufnahmemengen für Pro- und Präbiotika vorhanden.
Unsere Ernährung als Hebel für hormonelles Gleichgewicht
Gut versorgt von A bis Z: Um die hormonelle Balance zu unterstützen, sollte der Speiseplan ausgewogen sein und essenzielle Makro- und Mikronährstoffe liefern: von A wie Antioxidantien über B wie B-Vitamine und M wie Magnesium bis hin zu O wie Omega-Fettsäuren und Z wie Zink. Während B-Vitamine wie Pyridoxin (Vitamin B6) und Magnesium zu einer normalen psychischen Funktion und zu einer normalen Funktion des Nervensystems beitragen, trägt Zink zur Erhaltung normaler Haare, zu einem normalen Säure-Basen-Stoffwechsel und zu einer normalen kognitiven Funktion bei.
Welche wertvolle Rolle die Ernährung für das hormonelle Gleichgewicht und den weiblichen Zyklus während PMS, Menstruation und Wechseljahre spielt, erklärt Dr. Dorothee Struck im Experten-Interview mit der bio-apo:
„Eine ausgewogene Ernährung und ein bewusster Lebensstil spielen eine entscheidende Rolle bei der Linderung von PMS-Symptomen. Eine schlechte Ernährung kann die Beschwerden […] erheblich verstärken. […] Grünes Gemüse liefert viel Magnesium, gleichzeitig sollte der Konsum von Zucker, Weißmehlprodukten und Alkohol reduziert werden.“
Tipp: Aus alternativmedizinischer Sicht können Frauen während der Wechseljahre unter anderem von der darmfreundlichen Mayr-Kur – einer schonenden, nährstoffreichen, basischen und leicht verdaulichen Kost – profitieren.
Die Mayr-Kur – ein Neustart für Darm und Hormone
Die Mayr-Kur basiert auf den vier alternativmedizinischen Heilprinzipien „Schonung“, „Säuberung“, „Schulung“ und „Substitution“. Laut naturmedizinischer Theorie kann die spezielle Zusammensetzung aus Gemüse, Obst, essenziellen Aminosäuren und ungesättigten Fettsäuren die Darmgesundheit über eine bessere Nährstoffaufnahme unterstützen – als eine Art Reset für die Darmflora. Ob diese Diätempfehlungen tatsächlich zur Darmreinigung, Entsäuerung und Hormonregulation führen, ist wissenschaftlich allerdings nicht belegt.
Fest steht, dass die weiteren Empfehlungen nach Mayr wie langsames, achtsames bzw. bewusstes Essen, die Vermeidung von Zucker, Weißmehl und Fertigprodukten sowie das Trinken von stillem Wasser und Kräutertee das Wohlbefinden durchaus positiv unterstützen und zu einem guten Bauchgefühl beitragen können.
Ganzheitliche Strategien für hormonelle Balance – Stressabbau, gesunder Darm und neue Lebensgewohnheiten
Die Mayr-Kur integriert als ganzheitliches Konzept nicht nur Faktoren wie Darmgesundheit und eine individuelle Ernährungsanpassung, sondern auch ausreichend Bewegung – für ein gutes Körperbewusstsein, zur Aktivierung der Verdauungsfunktion und zur Mobilisierung neuer Energie.
Komplettiert werden die Empfehlungen der Mayr-Kur für einen gesunden Lebensstil von Frauen während der Lebensmitte mit ausreichend Regeneration in Form eines bewussten Stressmanagements inklusive Schlafhygiene.
Wie negativ sich Stress auf den weiblichen Zyklus auswirken kann, verrät Dr. Katharina Tropschuh im Experten-Interview mit der bio-apo:
„Der moderne Lebensstil, den der Großteil von uns pflegt, beeinflusst maßgeblich das hormonelle (Un-)Gleichgewicht. Sehr negativ kann sich vor allem chronischer Stress auswirken, weil Dauerstress zur Aktivierung der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse führt […] und so den weiblichen Zyklus stören kann.“
Fazit: Mit der Mayr-Kur den eigenen Rhythmus wiederfinden
Um die innere und hormonelle Balance sowie die Darmflora zu unterstützen und neue Energien für ein Plus an Wohlbefinden während der Wechseljahre zu mobilisieren, können ganzheitliche Ernährungskonzepte wie die Mayr-Kur eine unterstützende Möglichkeit darstellen – als Chance für einen Reset und für einen achtsamen Umgang mit Ihrem Körper in Zeiten des Wandels.
